KLANGERLEBNIS SCHELLERHAU

Ein hörender und spielender Rundgang im Klangerlebnis Schellerhau (Sachsen, Osterzgebirge)

Von Februar bis Juni 2006 wurde durch die KlangHütte Dresden für den Förderverein Osterzgebirge/Sachsen als Träger des Botanischen Gartens Schellerhau ein Klangerlebnis mit 9 dauerhaften Klanginstallationen projektiert und realisiert. Die naturnah angepassten Klangobjekte ermöglichen im Hören und selbst spielen durch die Besucher einen direkten und neuartigen Zugang zur Landschaft. Der Garten der Klänge lädt ein, mit der Natur und anderen Besuchern in spielerischen Kontakt zu kommen und Zusammenhänge zwischen Musik, Mathematik und Natur zu erfahren. Eine Sammlung beweglicher Musikinstrumente führt bei erfahrener Anleitung zum Verständnis verschiedener Musikkulturen und zum gemeinsamen lebendigen Musizieren.

Kontakt: www.botanischer-garten-schellerhau.de
Adresse: Botanischer Garten Schellerhau, Hauptstr. 41 a, 01773 Altenberg OT Schellerhau,
Tel.: 035052 - 67938
Öffnungszeiten:  von Ostern bis Ende Oktober täglich 9.00 – 17.00

1. WINDHARFE

Äolsharfen sind seit dem Mittelalter bekannt und werden in der Literatur auch als Geister- oder Wetterharfen beschrieben (z.B. E.T.A. Hoffmann, Kater Murr) Die Windharfe ist ein Saiteninstrument, in dem mehrere parallele und auf einen Ton gestimmte Saiten durch den Wind zum Schwingen angeregt werden. Günstig sind stetig und in langem Atem blasende Winde. Vor dem Eingang des Botanischen Gartens kommt der Wind aus Richtung West. Unterschiedliche Windgeschwindigkeiten regen jeweils verschiedene Obertöne an. Diese können z.B. am Monchord studiert werden. Der Klang ist in der Regel leise und bewegt sich zwischen Chorgesang und elektronischer Musik. Die Windharfe verbindet Musik, Literatur und Natur-wissenschaften auf besondere Weise.

Die hier befindliche Windharfe wurde von Jutta Kelm, Oldenburg, gebaut

2. METALLRÖHRENSPIEL

Glocken der Begrüßung mit langem Nachklang. Klangröhren aus Edelstahl, sind an den Hauptschwingungsknoten (bei 1/5 und 4/5 der jeweiligen Länge) aufgehängt und können dadurch optimal klingen. Das Gestell mit 4 Röhren hat die Töne c- e- g- c`, was ein Dur- Dreiklang ist. Am größeren Gestell mit 3 Tönen setzt sich der Dreiklang nach unten in moll fort: As - F- C . Die Metallröhren haben außerdem Obertöne, die sich den Grundtönen überlagern.

Spieltipps:
Schlage die Röhren mit den weichen Klöppeln vorsichtig in der Mitte oder am Ende an. Dann probiere es auf Höhe der Schwingungsknoten. Was ändert sich ? Schlage einen Ton an und
messe die Zeit, bis er nicht mehr hörbar ist. Spielt zu zweit verschiedene Töne gleichzeitig an. Welche Intervalle erklingen?

Die Klangröhren wurden in der KlangHütte Dresden in Zusammenarbeit mit der Firma Belafi, Meißen, angefertigt.

3. GONG

Der große Gong mit Rand wird auch Tam-Tam genannt.
Das Klangspektrum des klassischen chinesichen Gongs reicht vom Flüstern über Singen bis zu lautem Donner-grollen. Das Instrument wurde in der chinesischen Stadt Wu Han handgefertigt.

Bitte beachten: den Gong nur mit dem speziellen Klöppel anschlagen. Als Tipp: langsames Herantasten und leicht rhythmisches Anschlagen erzeugen die interessantesten Klangvarianten.

Der Gongständer wurde von Atelier Holz und Kunst Dresden angefertigt

4. KLANGBRÜCKE DUR -MOLL

Das begehbare Treppenxylophon verbindet die Erfahrung des Auf- und Absteigens von Tönen innerhalb unserer Dur- und Mollskale mit dem realen Hoch- und Herunterbewegen auf Treppenstufen. Die aus witterungsbeständigem Eichenholz gefertigten Klangholme sind an den Schwingungsknoten (ca. 1/5 der Länge) so gelagert, dass sie optimal schwingen können. Die aufsteigende Dur-Skala drückt Wachstum, Vitalität und Lebensfreude aus. Teile dieser Skale sind in der physikalischen Obertonreihe enthalten (z.B. in den Relationen 4:5:6) Beim Abstieg auf der Moll- Skale geht es darum, sich zurückzu- nehmen, kommt das Verwelken und Melancholie zum Ausdruck.
Beide Skalen haben in ihrer Abfolge Ähnlichkeit mit den Wachstums- und Verfallsprozessen der Natur. Der höchste Ton ist die Oktav, eine mathematische Relation von 1 : 2. D.h. die Frequenz des Oktavtons ist doppelt so hoch wie die des Grundtons.

Spielmöglichkeiten
Beim Hinaufsteigen kann man die nächste Stufe mit einem Klöppel anschlagen. Beim Abstieg ist dasselbe möglich, wenn man rückwärts steigt. Am Geländer abgestützt, lassen sich die Bohlen auch mit freien Füßen leise zum Klingen bringen. Am lautesten klingen Xylophone, wenn sie an den Stirnseiten der Klangholme von oben angeschlagen werden. Stellt Euch an die gegenüberliegenden Seiten der Brücke und probiert ein freies gemeinsames Spiel.

Die Klangbrücke wurde gemeinsam mit der Firma Belafi, Meißen (Stahlkonstruktion) und Reinhard Pontius (Atelier Holz & Kunst Dresden) gebaut und ist eine Neuerfindung der KlangHütte Dresden

5. SINGING DRUM

Hier handelt es sich um eine echte Neuerfindung: aus drei unterschiedlichen Instrumentenfamilien, einer Trommel (Membranophone), Saite (Chordophone) und Metallstab (Idiophone) entsteht in Kombination der „Ballastsaiter“ Singing Drum. Der Name deutet dabei nur eine mögliche Lautäußerung des faszinierenden Instruments an. Diese hat je nach Anschlags- bzw. Anstrichart ein Klangspektrum zwischen Löwengebrüll und Synthesizermusik.

Spieltipps:
Anzupfen der Saite oder Anschlag mit einem dünnen Hölzchen. Dabei leichtes Verändern der Saitenspannung am Metallstab. Tonhöhe und Klangfarbe der Saite ändern sich. Anstreichen der Saite mit dem Bogen. Variieren der Anstrichhöhe und -geschwindigkeit. Bei Entlasten des Stabes entsteht kurz vor dem Wegbleiben der Gewichtsspannung das Löwengebrüll. Die Bogenhaare brauchen Kolophonium, um genügend Reibwiderstand an der Saite zu haben. Anschlagen des Stabes mit Gummihammer: jaulende bis schnell vibrierende science-fiction Klänge. Kombinationen, auch durch mehrere Spieler, sind möglich.

Achtung: das sensible Instrument bedarf unbedingt eurer schonenden Behandlung. Der Stab soll an der Saite stets senkrecht bleiben (nicht schwingen, dazu das schützende Gestell. Das Gewicht des Stabes und damit die Saitenspannung nur wenig zunehmen lassen, sonst Gefahr von Riß des Trommelfells.

Die Singing Drum wurde von der Firma Sona Sounds, Klein Jasedow gebaut

6. HÖR- und EXPERIMENTIERPFAD

Im Spannungsfeld zwischen den Geräuschen des Waldes und hinzugefügten Klangobjekten lernen die Ohren, genauer hinzuhören. Welche Holzart klingt da gerade im Wind ? Einfache Klinger aus heimischen Hölzern und Metallen sind in den Bäumen aufgehängt und führen zu einem Platz im Wald, wo ein Xylophon aus Ästen steht. Daneben ist ein freier Klang-spielplatz, wo verschiedene klingende Materialien untersuchen werden können:

Ausprobieren:
An welchen Punkten müssen Holz- oder Metallstäbe aufliegen oder festgehalten werden, damit sie optimal klingen ?
Wie ändert sich der Klang aufeinandergeklopfter oder geriebener Kieselsteine, wenn ihr die Form und Öffnung eurer darunter-gehaltenen Hände verändert ? Die Baustelle ist als „work in progress“ zu verstehen, wo manches Holz wieder zu Natur und Erde zurückkkehrt und Neues entstehen kann.

Spieltipps Astxylophon:
Stellt euch zu zweit gegenüber auf und spielt mit je zwei Klöppeln. Einer wiederholt zwei gewählte Töne (Ostinato) und bildet eine stabile Basis. Der andere spielt dazu frei. Nach einer Weile wird gewechselt. Oder ein anderes Spiel: Spiegeltöne. Einer, der Führende, spielt ganz am oberen, der andere am unteren Ende der Tonskale. Geht der erste einen Ton nach unten, muß der andere einen nach oben wechseln. Den Rhythmus versucht man sofort gemeinsam mitzuspielen. Erfindet Eure eigenen Spielregeln.

Das Instrument wurde im Rahmen eines Workshops mit Kindern und Einwohnern der Region gebaut.

7. LITHOPHON

Lithophone (Steinklinger) sind uralt. Funde von vor 5000 Jahren in China belegten eine fast exakte Pentatonik. In Europa weist die geologische Bezeichnung Phonolith (Klingstein) darauf hin, dass diese besondere Eigenschaft durchaus auch in unseren Breiten bekannt war. Die hier optimal aufgelegten Steine aus Böhmischem Phonolith bestehen aus natürlichen sowie durch Sprengung und Schnitt veränderten Formen.
Der Standort des Lithophons im Botanischen Garten wurde mit Bezug auf die Steinrücke gewählt, längliche Lesesteinhaufen aus den angrenzenden Feldern.

Spieltipps:
Probiere mit unterschiedlichen ausliegenden Klöppeln die Steine an verschiedenen Punkten zum Klingen zu bringen. Die groben Steine brauchen hier das Gegenteil: sensiblen Anschlag.

8. DOPPELXYLOPHON

Der Name Xylophon kommt aus dem Griechischen: xylon – Holz und phoné – Laut, Ton, Stimme. Die hier gewählte Variante bringt Musik und Baumkunde zusammen: Die diatonische Reihe von C-D-E-F-G-A-H-c-d (weiße Tasten auf dem Klavier) ist aus Eichenholz gefertigt. Die beim Anschlag der Oberkanten einen vollen Klang erzeugenden Klangholme sind in einer Höhe ausgerichtet, die sich durch Erwachsene sinnvoll spielen lässt.
Kinder erleben dagegen an den unteren Enden das Aufsteigen der Tonhöhen auch physisch mit. Die pentatonische Reihe (schwarze Tasten auf dem Klavier) sind aus Lärchenholz und haben einen anderen Grundklang als Eiche. Hier sind die Unterkanten der Hölzer in einer für Kinder gut erreichbaren Spielhöhe. Die pentatonische Skala taucht in vielen Altkulturen und bis heute in China und Afrika auf. Ohne Halbtöne ist sie Ausdruck von Harmonie. Gemeinsam ergeben die beiden Xylophone eine chromatische Leiter (chroma- Farbe, Skala in Halbtonschritten) wie beim Klavier, wo alle verfügbaren Töne auf- oder absteigend nacheinander angeschlagen werden. Durch die zwei getrennten Gestelle verläuft der Weg. Die Spieler vermögen sie zu einem
Instrument zu verbinden oder auch getrennt zu spielen. Die Rahmengestelle sind aus Robinie, einem haltbaren heimischen Laubholz.

Spieltipps:

  • Spiele die Skalen getrennt und auf/absteigend Ton für Ton an. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es?

  • Geht zu zweit an einen Ständer und improvisiert miteinander. Dann wechselt das Instrument.

  • Stelle dich allein auf den Weg und spiele mit zwei Klöppeln: Mit einem am diatonischen, dem anderen am pentatonischen Instrument.

  • Schlage die Klangholme mal von vorn, dann seitwärts an. Welches Intervall erklingt?

Das Doppelxylophon wurde von KlangHütte Dresden gemeinsam mit Reinhard Pontius, Atelier Holz& Kunst Dresden, realisiert

9. SUMMSTEIN

Künstliche Hohlräume dieser Größe wurden in manchen Alt-kulturen, z.B. auf Malta gefunden. Ob symbolisch als Mundloch oder Geburtskanal empfunden: auch heute braucht es etwas Mut, sich in das Innere des Steins zu begeben, ohne den Kopf zu verlieren.
Bereits am Rand des Loches und noch stärker wenn man den Kopf hineinsteckt und summt, ist eine starke Resonanz verschiedener Töne mit sich selbst zu finden. Singt man in einem Glissando (ohne Tonstufungen) nach oben und unten, lassen sich die Töne mit besonderer Resonanz am besten herausfinden. Außerdem verändern sich die Geräusche der Umgebung beim Hineinstecken des Kopfes.

Ihr Großen, beugt euch etwas herab. Ihr Kleinen, lasst Euch hinanheben.

Der hier aufgestellte Summstein wurde von Ulf Lebahn, Münster, aus Ibbenbührener Sandstein gehauen.

GEMISCHTES INSTRUMENTARIUM aus den KULTUREN EINER WELT

Musikinstrumente der Alten Völker und Hochkulturen verweisen auf ein immenses Praxiswissen über den Zusammenhang von Klängen, Natur und sozialem Leben. In vielen Völkern war es selbstverständlich, von Klängen und Rhythmen umgeben aufzuwachsen, beim Musizieren dabeizusein und so Zugehörigkeit als akustische Identität zu erfahren. Die Musikinstrumente aus meist pflanzlichen Naturmaterialen wie Holz, Kakteen, Bambus oder tierischen Stoffen wie Ziegenhäuten sind klingende Zeugen gelebter Verbindung des Menschen mit der Natur. Ergänzt wird die Sammlung durch einige Metallklinger wie Gongs, Klangschalen und Glocken, die durch Feuer und Schmieden entstanden. Mit den Instrumenten lässt sich im Innenraum oder im Garten unter Anleitung spielen, Geschichten erfinden oder Materialkunde mit Mathematik und Physik verbinden. Oft aus dem fairen Eine Welt-Handel stammend, sind sie darüber hinaus Brücken über den eigenen Tellerrand hinaus zu anderen Landschaften und Kulturen. Eine Auswahl möglicher Spiele befindet sich auf einem extra Faltblatt.

Instrumente mit Herkunft, Material, ggf. Bau
2 Regenmacher - Chile - Kaktus und Samen
2 Klangschalen - Indien, Nepal - Legierung aus verschiedenen Metallen
2 Paar Zimbeln - Nepal - Silber und Bronze
2 japanische Windglocken - Japan - Eisen (temporär am Hörpfad aufgehängt)
2 Windspiele - Deutschland - Aluminium, Eigenbau
2 Rührxylophone - Deutschland - Eiche/Robinie + Ahorn/Esche
2 Wassertrommeln - Ghana - Kürbiskalebassen, Ständerringe, Klöppel
4 Rasseln
- 2 Ghana, , - Peddigrohr, Steine,
- 1 Peru - Kürbiskalebasse, Samen, Metall
- 1 Ghana - Kürbiskalebasse, Holz, Schnur
1 Oceandrum - Indien - Holzrahmen, Tierhaut, Kugeln
1 Djembe Trommel - Ghana - Holzkorpus, Ziegenfell
1 Udu Trommel - Kamerun - Keramikvase
1 Didjeridoo - Australien - Teakholz mit Bemalung
1 Panflöte - Rumänien - Bambus
1 Wasserpfeife - Rumänien - Keramik
3 Schwirrhölzer - Deutschland/Australien - Harthölzer, Schnur /Eigenbau
1 Monochord - Deutschland/Griechenland, Pythagoras Holz, Saitendraht, Eigenbau