PHILOSOPHIE

Seit Urzeiten ist Musik Ausdruck kultureller Entwicklung und Identität. Aus der Erfahrung spielerischer Freude am Unfertigen, den Klängen der Natur und verschiedener Materialien zeigt sich ein Weg, der diese mit dem überlieferten Musikwissen der Altkulturen verbindet. Er beginnt bei der unmittelbaren Wahrnehmung von Mitspielern und Material, ihren Klängen und Rhythmen und führt hinein ins lebendige musikalische Gespräch. Im Sinne von Joseph Beuys wird jedem Menschen ein Künstler zugetraut.

Gegenüber dem klassischen Ansatz, zuerst Noten und Technik zu lernen, fangen wir mit dem spielerischen Ausprobieren und Improvisieren an, wobei verschiedene Spielregeln und Bilder helfen. Fragen nach der traditionellen Spielweise, möglichen Formen bis hin zu Kompositionen entstehen aus dem Tun. Ohne- aber auch mit musikalischen Vorkenntnissen können so Kinder, Jugendliche und Erwachsene im gemeinsamen Spiel etwas über die Musik, sich selbst und fremde Kulturen erfahren und einander näherkommen.

Die Instrumente sind zunächst einfach: Kiesel- und Klangsteine aus verschiedenen Landschaften, geschnitzte Hölzer unterschiedlicher Bäume, geschmiedete Metallstäbe, Klangplatten, Gongs: Gerade das reduzierte Instrumentarium regt immer wieder zu neuen Spielen an, andererseits läßt es Tiefe zu. Ein Übungsweg eröffnet sich, der frei betreten und verlassen werden kann und der - je nach eigener Bereitschaft - zur eigenen Heilung und spirituellen Entwicklung beiträgt. Dazu kommen Bewegungsspiele, Hörspaziergänge und Improvisationen mit Stimme und Sprache sowie das Spiel auf selbst gebauten und Instrumenten der Weltkulturen. Die besten Lehrer sind die Instrumente selbst und unsere sie entdeckenden Sinne.

Klang- und Bauprinzipien, Skalen und Intervalle der Instrumente führen zum Verständnis physikalischer und mathematischer Phänomene wie der Obertonreihe und von Zahlenrelationen, den Musikkulturen und Musikgeschichte. Einbezogen sind auch historische Instrumente, die im "Museum zum Berühren und Spielen" ausprobiert werden können.

Die Instrumentenbaukurse beziehen ein anfängliches Erschließen der musikalischen Möglichkeiten der Instrumente ein. Offene Saiteninstrumente wie Kinderharfe, Streichpsalter und Kantele werden geschnitzt und haben einen engen Bezug zum plastischen Gestalten. Alle Instrumente sind hauptsächlich aus Naturmaterialien, wie z.B. das Didjeridoo aus Bambus. Ziel ist nicht nur das fertige Produkt, sondern auch sein Entstehungsprozeß, die Konfrontation und Verbindung mit dem Material.
Eine sich gegenseitig helfende Baugemeinschaft kann sich bilden.

Anregungen und Quellen des Ansatzes kommen von Pär Ahlbom, Werner Kuhfuß, Heiner Ruland, Manfred Bleffert, Andreas Delor, Achim Fischer, M. Schafer, und vielen anderen sowie aus der eigenen Forschung.

Weitere Themen der KlangHütte sind Sinnesschulung, Ökologie und Verständigung der Menschen verschiedener Länder und Kulturen. Seit 1993 fanden Improvisationskurse in Rumänien, Armenien, Georgien, Estland, Rußland, Slowenien, Bosnien, Kroatien, Holland, Mexiko, USA, Italien und in Deutschland statt.

Erfahrungen gesammelt wurden in der Erwachsenenbildung, Pädagogik, Berufs- und Therapieausbildungen, in Schulen, im Unterricht verschiedener Fächer und Projekte, in der Sozialarbeit und Heilpädagogik, Drogen- und Suchtproblematik, Strafvollzug, Umwelt- und Naturschutz, internationale Begegnungen und Festivals, z.B. IDRIART, Gestaltung von Klanggärten, Ausstellungseröffnungen, Kunstaktionen, z.B. MNEMOSYNE Dresden, KlangRaum-Projekt in Leipzig, thematischen Reisen z.B. nach Rumänien, Georgien, Sibirien, Polen, Tschechien, Japan, und Frankreich.