ANGEBOTSKATALOG

Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer

Hören-Spielen-Bauen – ein musikalisch-ökologischer Ansatz

Die Voraussetzung ökologischer Lebensweise liegt in einer gesunden Entwicklung der Sinne, Wahrnehmungs- und Interaktionsfähigkeit im Kindesalter. Zuhören können, das Erfassen und Verstehen dessen, was ein anderer – und auch die Mitwelt – braucht, sind im gemeinsamen musikalischen Spiel erlernbar. Dies war in vielen Naturvölkern gelebtes Praxiswissen: Musik nicht als unwesentliche Nebenbeschäftigung ("abwählbar") zu begreifen, sondern als wesentlich und persönlichkeitsbildend zu lehren.

Indem Instrumente aus Naturmaterial und solche der alten Völker, die eng mit der Natur verbunden waren, Verwendung finden, bauen Klänge, Spielweise und Material eine Brücke zu diesem alten Wissen. Das musikalische Geschehen ist geeignet, Abläufe in der Natur, Gesetze und Rhythmen, aber auch Organisationsprinzipien in Gruppen zu verdeutlichen. Die musikalische Improvisation dient neben der Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten ebenso solchen der Fingerfertigkeit, Kommunikation und der emotionalen Intelligenz. Dem Lehrer, der die Improvisation nicht nur als fachliches Spezialgebiet, sondern in mehreren Fächern als impulsgebende unterrichtstragende Kraft begreift, kann sie im Unterricht in vielen Situationen einsetzen. Die Schüler zeigen sich dabei oft von ganz anderen Seiten, als sie üblicherweise auftreten.

Durch das eigene Herstellen von Instrumenten schließlich wird Willenskraft, verantwortliches Tun und Teamgeist gelernt. Für die Lehrer gilt: nur das selbst Erfahrene und weitgehend Durchdrungene ist sinnvoll und begeisterungsfähig weiterzugeben.

Da Bereiche aus den Fächern Geographie/Biologie (Ökologie, Rhythmen, Herkunftskulturen), Mathematik (Zahlenrelationen der Intervalle), Physik (Akustik, Schwingungsphänomene von Saiten, festen Körper und Luft), Werken (Materialkunde, Instrumentenbau), Sprache (Kommunikation, Reflexion des Erlebten), Musik (Musizierpraxis, Instrumentenkunde, Formlehre usw.), Kunsterziehung (Motive der Instrumentgestaltung und Bemalung), Ethik und Religion (Erfahrung von Stille, Bedeutsamkeit und Meditation in der Musik) angesprochen werden, ist das Thema geeignet, fächerübergreifende Ansätze in der Schule praktisch werden zu lassen. Die Inhalte können aber auch je fachspezifisch belebend zum Einsatz kommen.

Methoden, Inhalt und Formen der Weiterbildung

Prinzipielle Methode ist der Dreischritt: praktische Erfahrungen (sich Einlassen auf Neues) – Reflexion (Beschreibung der Phänomene, Anerkennen individuellen, z.T. gegensätzlichen Erlebens) – Üben, Weiterführen und selbst Anleiten (Multiplikatorenschule).

Die Weiterbildung vermittelt in lebendig-praktischer Weise Erfahrungen und im weiteren Fähigkeiten zur Anwendung elementarer und weiterführender musikalischer Praxis mit Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersstufen und Voraussetzungen.

Gespielt wird mit Steinen, Hölzern, Metallklingern, Trommeln, Händen, Füßen und Stimme sowie vielen selbst gebauten und Instrumenten der Weltkulturen - z.B. Schwirrholz, Didjeridoo, Regenmacher, Klangschalen, Udu-Trommeln, Muschelhorn, Streich- und Zupfinstrumenten usw.

Untersucht und besprochen werden Klang- und Spielwirkungen, Symbolik, Material, Einsatzmöglichkeiten (Bei Bedarf auch für Förder- und Sonderschulen), Gruppendynamik, Altersspezifik und Methodik des Anleitens, Spielregelhandhabung usw.

Ein weiterer, ggf. ergänzender Teil besteht im Bau verschiedener Musikinstrumente aus Naturmaterial, z.B. Klangstäbe aus Holz, Bambusflöten u.a., mit denen exemplarisch erfahrbar wird, wie mit- auch finanziell – einfachen Mitteln wesentlich praktisch im Unterricht gearbeitet werden kann. Die Teilnehmer erhalten Informationen über Erwerbs- und Beurteilungsmöglichkeiten im Weltmusikspektrum, Anregungen zum Bau und Erfinden neuer Instrumente und werden befähigt, das Wissen in ihrer Schule selbständig anzuwenden.

Zielgruppe

Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen und Klassenstufen mit Interesse an neuen Arbeitsweisen, besonders der Fächer Musik, Geographie, Biologie/Ökologie, Theater, Bewegung, Werken, Physik, Mathematik, Sprache, Kunsterziehung, Ethik, Religion, Erzieher an Sonderschulen, Sozialpädagogen, Streetworker, Hort-Erzieher, Umweltpädagogen, pädagogisch und künstlerisch Interessierte usw.

Dauer der Weiterbildung

sinnvoll ab 6 Stunden bis mehrere Tage. Auch am Wochenende oder fortlaufend.

Voraussetzungen

großer Raum, nicht an einer Hauptstraße oder anderen Lärmquellen gelegen.
Frei beweglicher Stuhlkreis. Einige Ablagetische. Flip-Flap-Tafel für Skizzen.
Für Instrumentebau: Werkraum oder zumindest stabile Tische. Vorab-Sammeln verschiedener Hölzer (können auch vom Kursleiter gestellt werden)

Teilnehmerzahl Spiel/Improvisation günstig 12, maximal 18,
Bau max. 12 (ggf. Teilung der Gruppe)

Kosten

Honorar je nach Stundenanzahl gestaffelt + Materialkosten (zahlen i.d.R. die Teilnehmer) + Fahrtkosten + ggf. Übernachtung/Verpflegung des Kursleiters

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